Leben 2.0 – Gesund bleiben trotz Klimakrise
![]() | 17 Fachautoren aus Wissenschaft u.a. Fachbereichen bieten einen Leitfaden, Appelle und Inspirationsquellen zugleich. Wer verstehen will, warum Klimaschutz nicht nur eine Frage von Politik, Ökologie und Ökonomie, sondern ganz konkret von unserer Gesundheit, Ernährung, Psyche und Lebensqualität abhängt, findet hier Antworten. Dieses Buch liefert Perspektiven und Handlungsoptionen in Form von Fachbeiträgen. |
Bevor wir über Gesundheit, Ernährung oder psychische Folgen sprechen, braucht es ein solides Fundament. Das Buch zeigt klar und verständlich, wie der Klimawandel entsteht, welche wissenschaftlichen Grundlagen gesichert sind und wo Unsicherheiten bestehen.
Eine oft übersehene Folge steigender CO2-Werte ist die Veränderung der Nährstoffzusammensetzung von Pflanzen. Studien zeigen:
- Weizen, Reis und Mais enthalten unter erhöhtem CO2-Gehalt weniger Eiweiß, Eisen und Zink.
- Gemüse wie Spinat oder Brokkoli verlieren an wichtigen Mineralstoffen.
Das bedeutet: Auch wenn auf den ersten Blick noch genügend Kalorien produziert werden, sinkt die Qualität unserer Nahrung. Mangelernährung wird damit nicht nur ein Problem der Menge, sondern auch der Inhaltsstoffe.
Der Klimawandel wirkt wie ein Katalysator:
- Hitzewellen + Ozon: Je heißer die Sommer, desto mehr Ozon bildet sich in Bodennähe. Das führt zu Atemnot, Augenreizungen und chronischen Lungenproblemen.
- Waldbrände: Steigende Temperaturen und Dürren führen weltweit zu mehr Bränden, von Kalifornien über Australien bis Griechenland. Der Rauch verteilt sich oft über Tausende Kilometer.
- Stagnierende Wetterlagen: Klimawandel verändert die Luftzirkulation, sodass Schadstoffe länger in Städten hängen bleiben.
Ein Beispiel: Im Sommer 2021 lag über Kanada und den USA eine dicke Rauchwolke von Waldbränden, die selbst an der US-Ostküste noch die Luftqualität auf gefährliche Werte drückte. Millionen Menschen litten unter brennenden Augen, Atemnot und chronischem Husten.
Immer mehr Menschen, besonders junge, leiden an „Eco-Anxiety“, einer Klimaangst, die durch ständige Berichte über Katastrophen, Hitzerekorde und Kipppunkte entsteht.
- Manche reagieren mit Verdrängung („Mein Beitrag ist doch zu klein, um etwas zu ändern“).
- Andere entwickeln zwanghafte Verhaltensmuster und schränken ihr Leben übermäßig ein.
- Wieder andere nutzen die Schuldgefühle produktiv zu werden zu Aktivist\:innen oder verändern ihren Lebensstil grundlegend.
Das Buch betont: Schuld kann zerstörerisch sein, oder ein Motor für Veränderung. Entscheidend ist, ob sie in Lähmung oder Handlung mündet.
Der Klimawandel ist kein Schicksal, das über uns hereinbricht wie ein Naturereignis. Er ist menschengemacht und das bedeutet: Menschen können ihn auch aufhalten. Das Buch „Leben und Gesundheit im Klimawandel“ beschreibt sehr eindringlich, dass wir uns nicht mit „anonymen Prozessen“ begnügen dürfen. Hinter den Zahlen, Emissionen und politischen Entscheidungen stehen Akteure mit Verantwortung.
Umso wichtiger ist es, beides sichtbar zu machen:
- Klimahelden, die mutig vorangehen, die Verantwortung übernehmen, kreative Lösungen entwickeln und zeigen, dass Wandel möglich ist.
- Klimasünder, die wissentlich oder fahrlässig die Krise verschärfen, Profite über Gemeinwohl stellen oder dringend notwendige Veränderungen blockieren.
Die Luft, die wir atmen, ist unsichtbar und doch der Schlüssel zu unserem Wohlbefinden. Der Klimawandel verschlechtert ihre Qualität auf gleich mehreren Ebenen:
- Feinstaub & Ozon: Hitzewellen führen zu erhöhter Ozonbildung. Feinstaub aus Verkehr, Industrie und Waldbränden dringt tief in die Lunge ein und kann Asthma, COPD und Herzkrankheiten verschlimmern.
- Allergien: Pflanzen wie die Ambrosia blühen länger und stärker, da milde Winter ihr Wachstum begünstigen. Pollen fliegen über längere Zeiträume – Allergiker leiden fast doppelt so lange wie noch vor 20 Jahren.
- Städte als Hotspots: Ballungsräume kombinieren das Schlechteste aus zwei Welten: höhere Temperaturen durch den „urban heat island effect“ und mehr Schadstoffe durch Verkehr.
Studien zeigen: Bereits jetzt verursacht Luftverschmutzung jährlich über 7 Millionen vorzeitige Todesfälle weltweit. Mit zunehmendem Klimawandel dürfte diese Zahl steigen.
Die durchschnittliche Temperatur auf der Erde ist seit Beginn der Industrialisierung um etwa 1,1 bis 1,2 Grad Celsius gestiegen. Klingt wenig, hat aber dramatische Folgen.
- Längere Hitzewellen: Hitzerekorde fallen mittlerweile jedes Jahr. 2022 wurde in Großbritannien erstmals die Marke von 40°C überschritten, etwas, das Klimamodelle noch vor wenigen Jahren erst für 2050 vorhergesagt hatten.
- Mildere Winter: Weniger Frosttage bedeuten nicht nur, dass wir weniger Heizkosten haben. Sie ermöglichen auch Schädlingen und Krankheitserregern ein Überleben.
- Veränderte Jahreszeiten: Blüten treiben früher, Zugvögel kehren zu anderen Zeiten zurück. Landwirtschaft und Ökosysteme geraten aus dem Takt.
Ein Beispiel aus Deutschland: Die Weinlese beginnt inzwischen im Durchschnitt zwei Wochen früher als noch in den 1970er-Jahren. Klingt für Winzer zunächst positiv, verändert aber die Zusammensetzung von Zucker und Säure in den Trauben, und damit den Geschmack des Weins.
Eine der größten Gefahren sind Krankheiten, die durch Tiere übertragen werden, sogenannte Vektoren:
- Malaria: Früher fast ausschließlich in tropischen Regionen, taucht Malaria durch die Erwärmung inzwischen auch in Höhenlagen Ostafrikas und in neuen Gebieten Südamerikas auf.
- Dengue-Fieber: Mücken der Gattung Aedes breiten sich nach Norden aus. Bereits in Südeuropa gab es kleinere Dengue-Ausbrüche.
- West-Nil-Virus: Eine Krankheit, die früher fast unbekannt war, hat sich seit den 1990er-Jahren in Südeuropa und sogar in Deutschland etabliert.
- Zeckenkrankheiten: Die wärmeren Winter führen dazu, dass Zeckenpopulationen in Europa explodieren. Krankheiten wie FSME oder Borreliose nehmen zu.
Ein Beispiel: In Kroatien infizierten sich in den letzten Jahren unerwartet viele Menschen mit dem West-Nil-Virus, eine Krankheit, die dort vor wenigen Jahrzehnten noch völlig unbekannt war.
Ein Blick in die Geschichte zeigt:
- Die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert wurde vor allem durch Europa, die USA, Kanada und Australien vorangetrieben.
- Diese Länder haben durch Kohle, Öl und Gas einen großen Teil des heutigen CO2 in die Atmosphäre gebracht.
- Heute sind sie zwar auch betroffen, können aber dank Reichtum und Infrastruktur besser mit den Folgen umgehen.
Demgegenüber stehen Länder wie:
- Bangladesch: Kaum Emissionen verursacht, aber massiv von Überschwemmungen bedroht.
- Afrikanische Staaten südlich der Sahara: Geringster CO2-Ausstoß pro Kopf, aber am stärksten von Dürren und Wasserknappheit betroffen.
- Pazifikinseln wie Tuvalu oder Kiribati: Kaum Treibhausgase emittiert, doch vom Untergang durch den steigenden Meeresspiegel bedroht.
- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) – Friends of the Earth Germany. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland setzt sich ein für den Schutz unserer Natur und Umwelt – damit die Erde für alle, die auf ihr leben, bewohnbar bleibt.
- Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) – ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Ärztinnen und Ärzte, die sich auf die Medizin der späten Lebensphase spezialisiert haben. Die DGG wurde 1985 gegründet und hat derzeit rund 1.800 ordentliche, korrespondierende und fördernde Mitglieder sowie Ehrenmitglieder. Sie ist damit die größte unter den Fachgesellschaften in Deutschland, die sich mit der Medizin der späten Lebensphase befassen.
- Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) – Schutz für Umwelt, Natur, Klima und Verbraucher. Der DUH setzt sich seit fast 50 Jahren für Natur-, Umwelt- und Verbraucherrechte ein.
- Deutscher Wetterdienst (DWD) – Der Deutsche Wetterdienst ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. Er ist für die Erfüllung der meteorologischen Erfordernisse aller Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche in Deutschland zuständig. Seine Aufgaben basieren auf einem gesetzlichen Informations- und Forschungsauftrag, dem Gesetz über den Deutschen Wetterdienst.
- Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH – Die Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH ist 2012 als hundertprozentige Landestochter gegründet worden. Sie wird aus Mitteln des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz finanziert. Derzeit beschäftigt die Energieagentur Rheinland-Pfalz über 100 Mitarbeitende in der Zentrale in Kaiserslautern und in den Regionen des Landes.
- Gesellschaft für bedrohte Völker (gfbv) – Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status bei den UN und mitwirkendem Status beim Europarat.
- Helmholtz Munich/Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH). Unsere Welt verändert sich ständig, mit großen Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Volkskrankheiten wie Diabetes, Allergien und Lungenerkrankungen nehmen weltweit rasant zu. Gleichzeitig entstehen neue Krankheiten, beispielsweise aufgrund des Klimawandels. Helmholtz Munich entwickelt Lösungen für eine gesündere Zukunft. Die Spitzenforschung bildet die Grundlage für medizinische Innovationen. Gemeinsam mit den Partnern beschleunigen sie den Transfer der Forschung, damit neue Ideen aus den Laboren noch schneller in der Gesellschaft ankommen.
- Klima-Allianz Deutschland – Die Klima-Allianz Deutschland ist ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen für den Klimaschutz in Deutschland.
- KLUG – die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit – gründete sich im Oktober 2017 als Netzwerk von Einzelpersonen, Organisationen und Verbänden aus dem gesamten Gesundheitsbereich. Sie haben es uns zur Aufgabe gemacht, über die erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise aufzuklären und die Gesundheitsberufe zu befähigen, Akteur:innen der notwendigen Transformation hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft zu werden, in der wir gesund leben können.
- Landeshauptstadt Dresden – Der Oberbürgermeister, Amt für Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Protokoll. Die Landeshauptstadt Dresden ist eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts.
- Naturschutzbund Deutschland e. V. – Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) ist eine deutsche nichtstaatliche Organisation mit dem Ziel, Natur und Umwelt zu schützen. Der NABU setzt konkreten Naturschutz im In- und Ausland um.
- Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) e. V. – Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V. ist ein 1992 gegründetes wissenschaftliches Forschungsinstitut mit Sitz in der brandenburgischen Stadt Potsdam.
- Robert Koch-Institut (RKI) – Das Robert Koch-Institut ist das Public-Health-Institut für Deutschland. Ziel ist es, die Bevölkerung vor Krankheiten zu schützen und ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Daran arbeitet und forscht das RKI jeden Tag gemeinsam mit 1.500 Menschen aus 90 verschiedenen Berufen.
- Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) – Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), auch bekannt als Umweltrat, ist ein wissenschaftliches Beratungsgremium der deutschen Bundesregierung. Der SRU begutachtet die Umweltsituation in Deutschland und berät die Bundesregierung hinsichtlich ihrer zukünftigen Umweltpolitik.
- Save the Children Deutschland e. V. – Save the Children ist die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt. Sie verbessert das Leben von Kindern weltweit – sofort und dauerhaft.
- Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – Heute ist sie eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen rund um die biologische Vielfalt und mit dem Frankfurter Haus eines der größten Naturkundemuseen Europas. Sie zählt knapp 900 Mitarbeitende, darunter über 300 Wissenschaftlerinnen. Gemäß ihrer langen Tradition ist es „Aufgabe der Gesellschaft, Naturforschung zu betreiben und die Ergebnisse der Forschung durch Veröffentlichung, durch Lehre und durch ihre Naturmuseen der Allgemeinheit zugänglich zu machen“. Das ist heute wichtiger als je zuvor, denn dank moderner Naturforschung können Antworten auf dringliche Fragen der Gegenwart gefunden werden, wie z. B. zum Natur- und Klimaschutz.
- Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH WZB-Wissenschaftlerinnen orientieren sich bei der Planung und Durchführung ihrer Forschungsprojekte und bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse an der Leitlinie gute wissenschaftliche Praxis in der Leibniz-Gemeinschaft und am DFG Kodex – Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Die Grundlagen guter wissenschaftlicher Praxis gehen einher mit der Verpflichtung zur wissenschaftlichen Integrität.
Leben und Gesundheit im Klimawandel
Der Klimawandel ist kein Schicksal, sondern eine Menschheitsaufgabe. Jeder Atemzug, jeder Tag, jede Entscheidung zählt, sei es im Alltag, in der Politik, in der Wirtschaft oder in sozialen Bewegungen.
Dieses Buch zeigt nach der Analyse von Grundlagen, Gesundheit, Wetterextremen, Luftqualität, Krankheiten, psychologischen Aspekten, Gerechtigkeit und Menschenbildern, dass Sprache und Narrative entscheidend sind, um den Klimawandel nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu bekämpfen und unsere gesundheitlichen Grundlagen auch für künfige Generationen zu bewahren.
